2020 – das Jahr der Coronakrise und der Grenzen

April 2020

Es wird, so lange die Coronakrise das Leben und die Existenz von Menschen in unserem Land gefährdet und so lange der Wiederaufbau von Normalität alle Energien von uns Allen erfordert, keine Schreibworkshops geben.

Ich war 21 Jahre alt, als meine Großmutter an Lungenkrebs starb. Meine Großmutter hatte ihre Kindheit und Jugend im Umfeld von Kohle- und Erzbergwerken in der Steiermark verbracht. Ich erinnere mich an die vom Erzstaub blutroten Wasserlachen in Leoben und Donawitz noch in den 70er Jahren. Und ich erinnere mich auch an die Atemnot und die damit verbundenen Angstanfälle meiner Großmutter in Ihrem 9 Monate dauernden Todeskampf.

Meine Großmutter hat mir als Kind meine Lieblingsmärchen geduldig wieder und wieder vorgelesen, meine Großmutter hat mich getröstet und in den Arm genommen, wenn ich traurig war und sie konnte mich zum Lachen bringen. Meine Großmutter konnte mir beim Lernen nicht helfen, weil sie als Bauernkind in den Vorkriegsjahren selbst nur ein paar Jahre Volksschule besucht hatte. Aber sie hat mir vor Prüfungen und Schularbeiten immer Ham and Eggs zum Frühstück gemacht, damit ich Kraft habe. Meine Großmutter stand täglich an meinem Krankenhausbett, als ich 6jährig wegen einem beinahe Blinddarmdurchbruch fast gestorben wäre. Das Heimweh und die Sehnsucht nach meiner Großmutter im Krankenhaus war damals als Kind fast genau das gleiche Gefühl, das ich dann als 21jährige hatte, als meine Großmutter die Diagnose hatte. Nur dass diesmal meine Großmutter im Krankenbett lag und dass uns beiden sehr bewußt war, dass der endgültige Abschied nur noch eine Frage der Zeit war. Ein Wissen, das durch die Nabelschnur der Liebe zwei Menschen wortlos verbindet.

Mein Mitgefühl gilt daher allen Menschen, die einen nahen Angehörigen oder einen geliebten Menschen verlieren. Besonders jedoch gilt mein Mitgefühl in dieser Zeit der weltweiten Coronakrise den Menschen in Italien und den verzweifelt gegen den Tod kämpfenden, völlig überlasteten und unzureichend ausgestatteten Pflegekräften.

Meine Dankbarkeit gilt all jenen, die in Österreich und in Vorarlberg umsichtig und achtsam daran mitgearbeitet haben, dass die Menschen hier von einer solchen Katastrophe bisher verschont geblieben sind.

Meine Gedanken – und mein Dank – sind nun jedoch auch an der ASH Berlin und bei all den Menschen, die in 20jähriger Forschungsarbeit daran mitgewirkt haben, dass es den Masterstudiengang für Biographisches und Kreatives Schreiben im Gesundheits- und Sozialbereich überhaupt gibt und somit das Jahrhundertelange Paradigma, dass nur Privilegierte und Reiche Menschen Zugang zu Wissen und Bildung und vor allem zum Schreiben haben um einen weiteren Meilenstein verrückt haben. Meine Gedanken sind bei all den Dozentinnen und Dozenten, aber auch bei allen Kommilitoninnen und Kommilitonen, die Ihr Wissen und Können, ihre Jahre- und Jahrzehntelangen Erfahrungen des Kreativen Schreibens in den Bereichen Sozialarbeit, Gesundheits- und Krankenpflege, Psychologie, Pädagogik sowie Literatur und Kunst weitergegeben und geteilt haben und uns Studentinnen und Studenten auch weit über das Studium hinaus mit Rat und Tat jederzeit zur Seite gestanden sind.

Mein Dank gilt auch der Akademie für Sozialarbeit und allen Dozentinnen und Dozenten, die mich gelehrt haben, was Sozialarbeit und Soziale Arbeit bedeutet.

Ebenso gilt mein Dank allen Institutionen und Organisationen hier in Vorarlberg, die mir die Möglichkeit gegeben haben, weitreichende und tiefe Erfahrungen mit den Methoden des Biographischen und Kreativen Schreibens in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen unserer sozialen und kulturellen Landschaft zu machen. Ganz besonders sind meine Gedanken und mein Herz nun auch bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Workshops, die mir seit 2006 ihr Vertrauen und ihre Gedanken geschenkt haben.

Jetzt hoast as für üs alle, durchhalta und gsund bliieba – und tua, was ma künnand und Not-Wendend ist für die Gemeinschaft.